Schmerzen, Ängste und Glücksgefühle

Hallo da draußen,

ja, ich weiß der Titel ist ziemlich komisch, aber irgendwie beschreibt das gerade das was in mir vorgeht. Letzte Woche ging es mir ziemlich dreckig. Mein Hintern hat mir mal wieder zu schaffen gemacht, das hatte ich irgendwann im Spätsommer oder Herbst nach einer etwas ausgiebigeren Radfahrt schon einmal, war bei der Ärztin, die mir ein Medikament verschrieben hat, was dann auch zur Verbesserung meines Zustands geführt hatte.
Letzte Woche habe ich das entsprechende Medikament auch genommen, aber es verbesserte gar nichts. Egal ob ich saß, lag, stand oder ging, eine Zeit lang ging es so einigermaßen, dann hatte ich unerträgliche Schmerzen. Am Donnerstag habe ich mir dann bei meiner Ärztin eine Überweisung an einen Proktologen geholt und glücklicherweise auch beim zweiten Versuch einen gefunden, der mich zeitnah untersuchte. Und der fand auch was. Nicht wie ich vermutet habe, schmerzhafte Hämhorriden, sondern eine Geschwulst wo sie nicht hingehörte. Das schien sich auch noch entzündet zu haben / eine Thrombose gebildet zu haben die dann diese starken Schmerzen auslöste. Bei der Untersuchung (zumindest der ersten)  schien die dann „geplatzt“ zu sein zumindest blutete alles wie wild aber auch der starke Schmerz ließ dann kurze Zeit später bedeutend nach.
Inzwischen ist es zwar bedeutend besser(nicht mehr so schmerzhaft), die Geschwulst aber immer noch da.

Lange Rede – kurzer Sinn – nächsten Montag werde ich operiert, irgendwie habe ich da ziemlichen Schiss davor. Auch hat in der Good Life Gang heute jemand etwas über Ängste geschrieben, so musste ich zwangsläufig daran denken, was für Ängste ich damals hatte und heute teilweise immer noch habe.

Hier mal der Link zur entsprechenden Blog-Seite.:

Der Kampf mit der Angst

Interessanter Artikel, wenn auch etwas kurz. Auch wenn ich inzwischen bedeutend relaxter, entspannter und glücklicher bin und mich nicht mehr versuche von Ängsten leiten zu lassen, nehmen die doch ab und zu doch mal Überhand.

Eine ganze Zeit lang waren meine Ängste aber so irrational, dass sie vieles in mir hemmten und mich isolierten. Nachfolgend werde ich mal meine Ängste aufschreiben – vielleicht kann ich Sie so noch besser verarbeiten.

Angst vor Kommunikation mit (fremden) Menschen

Diese Angst ist mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit aus den ständigen Einschüchterungen in meiner Kindheit entstanden. Die Angst hat mich lange Zeit beherrscht, immer wieder hatte ich Angst davor, etwas falsches zu sagen, also habe ich gar nichts gesagt. Zu groß war auch die Angst, irgendwelche Konflikte damit auszulösen, die ich nicht bewältigen kann oder die Harmonie stört. Und auch die Angst, mein Gegenüber mit dem Erzählten zu langweilen, zu stören oder zu nerven hatte so sehr Macht von mir ergriffen. Das ging so weit, dass ich sogar Angst hatte, jemanden anzurufen, etwas zu fragen / nachzufragen, seien es auch nur die banalsten Dinge. Ja, auch das komplett fehlende Selbstwertgefühl hat das ganze noch einmal verstärkt. Ich war der Meinung, wenn ich zuviel frage, komme ich als dumm rüber.
Spannenderweise gibt es heutzutage immer noch viele Situationen, in denen diese Angst Besitz von mir ergreift. Ich arbeite zwar daran, aber es ist ein harter und steiniger Weg. Trotzdem merke ich, wie sich etwas ändert, wie ich in Situationen, in denen ich früher auf Gedeih und Verderb die Klappe gehalten habe, nun nachfrage oder versuche ein Gespräch einzuleiten – einfach kommuniziere. Mit dem Gedanken, dass Kommunikation ein Grundbedürfnis der Menschen ist, lassen sich diese Ängste leichter überwinden.

Angst, nein zu sagen

Im Endeffekt gehört das teilweise mit zu dem oberen. Ich habe / hatte wirklich Angst nein zu sagen. Um den Leuten zu gefallen, weil ich der Meinung war, nur so Aufmerksamkeit von ihnen zu bekommen, habe ich eigentlich zu fast allem ja gesagt. Mehr Arbeit – ja klar. Schwierige bis unmögliche Aufgaben angehen – ja klar, warum nicht. Das Ende vom Lied sind / waren tausende von Aufgaben, die sich bei mir stapeln und die ich so hochgradig parallel bearbeiten muss, dass das total ungesund ist. Ich habe das vor allem die letzten 1-2 Jahre meiner Depression gemerkt, dieses Multitasking hat mich irgendwann so kaputt, unzufrieden, müde und depressiv gemacht, dass Burnout und Depression eigentlich kein Wunder waren.
Statt zu allem ja zu sagen, hätte ich auch mal was ablehnen sollen.
Klar hat das auf den ersten Blick so einen Status wie „Scotty“ von der Enterprise gebracht. Der Wunderknabe, der alles problemlos schafft. Trotzdem will ich ja nicht wie ein Gott sein, sondern als Mensch geliebt und geachtet werden und nicht wie ein „höheres Wesen“, das dutzende von Aufgaben mit seinen 12 Armen gleichzeitigt erledigen kann.
Auch wenn das inzwischen bedeutend besser geworden ist, falle ich häufig trotzdem noch in diese Situationen zurück. Hier hilft eigentlich nur Achtsamkeit und eben, die Aufgaben nicht sofort abzunicken, sondern kurz um Bedenkzeit bitten.

Angst vor verärgerten Menschen und Konflikten

Diese Angst ist eine meiner Urängste. Zu oft habe ich das in der Kindheit erlebt, wie mein Vater ausgerastet ist und damit seelische und teilweise auch körperliche Gewalt damit ausgeübt wurde. Daher ist diese Angst eine der am tiefst sitzenden. Neulich habe ich gelesen, dass man, wenn man Kontakte / Beziehungen knüpft, sich solche Partner aussucht, die ähnliche Charakterzüge besitzen, wie die der Eltern. Das passiert irgendwie unbewusst, ohne es eigentlich zu wollen. Obwohl das anfänglich nicht so war, ist S. oftmals recht impulsiv und reagiert sehr oft genervt oder ärgerlich. Und sofort gehen / gingen die Alarmglocken an, mein Kopf schaltet auf Angst und meine Abwehrhaltung sind entweder Flucht, es der entsprechenden Person so gut wie es geht Recht machen oder aber den Ärger der Person zu spiegeln. Heißt, ich bekomm dann ebenso schlechte Laune und werde sarkastisch oder schnippisch. Eigentlich müsste ich es ja besser wissen, dass von S. weder seelische noch körperliche Gewalt in solchen Situationen ausgeht. Trotzdem übernimmt die Angst das Ruder und schaltet auf Alarmmodus. Manchmal gelingt es mir diesen Alarmmodus abzuschalten, oftmals aber auch nicht. Da muss ich echt noch viel dran arbeiten.

Angst vor Konflikten

Da ich zumindest in der Kindheit immer den kürzeren gezogen habe, einfach weil mir, egal ob es gerechtfertigt war oder nicht, der Wille des Gegenüber aufgezwungen wurde, habe ich eben auch in engem Zusammenhang mit der Verärgerung, angefangen Konflikte zu meiden. Lieber den Mund halten und stur lächeln und winken als dem Gegenüber seine echte Meinung zu sagen. Zu Kinderzeiten hat das eigentlich dazu geführt, dass ich mich mit nahezu jedem in der Klasse so einigermaßen verstanden habe. Rückblickend betrachtet, nimmt einen das auch etwas an Menschlichkeit, da Konflikte einfach zum Leben dazugehören. Diese anzugehen und in konstruktiven Gesprächen zu lösen bringt beide Konfliktparteien mental i.d.R. einen großen Schritt weiter. Naja, mal abgesehen von diversen Politikern.
Trotzdem scheue ich mich heute immer noch, Konflikte anzusprechen, viel zu gern gebe ich klein bei, mit dem Ergebnis, dass ich mich darüber ärgere, ja, auch mal eingeschnappt bin oder einfach die Kommunikation abbreche. Die Angst, mein Gegenüber zu verletzen und zu verärgern, übernimmt da so sehr die Macht. Das schlimme ist, dass man meist weiß, dass Konflikte zu meiden auf Dauer nicht wirklich gut ist. Und obwohl man das weiß, lähmt einen die Angst so sehr.
Wie oft habe ich mir schon im inneren Geist zurecht gelegt, mal die Konfliktsituationen mit S. lange und tief zu bereden, wie oft hat dann aber die Angst die Leitung übernommen und ich habe mich nicht getraut mit ihr zu reden.

Zu meinen Depressionszeiten sind da noch viel mehr Ängste dazu gekommen. Die Angst, nicht genug Geld zu verdienen, um die Familie zu ernähren. Die Angst, Fehler zu machen und nicht perfekt zu sein. Die Angst, keine Anerkennung von wem auch immer zu erhalten. Aber auch die Angst, vor irgendetwas zu scheitern oder nicht gut für irgendetwas zu sein, hat dazu geführt, dass ich Dinge gar nicht erst angefangen habe, obwohl das ein Riesenschritt für mich gewesen wäre, so eine Grenze zu sprengen.

Ich muss gerade daran denken, wie ich die Ängste in Thailand abgeworfen habe, wie ich einfach mal Kontrolle abgegeben habe und dadurch solche wahnsinnig tollen Dinge erlebt habe, wie die Trekking-Tour mit der Floßfahrt und der plötzlichen Relaxtheit gegenüber Insekten, die coolen Abende in Chiang Mai und Pai mit Insekten-Essen und ungezwungener spontaner Party mit mir am Abend noch komplett wildfremden Leuten. Und natürlich ans Ziplining, was zu einem ungeahnten Freiheitsgefühl geführt hat. Aber auch an die vielen Wanderungen mit der Wandergruppe und speziell das Erklimmen des Stiegs und das Freiheitsgefühl auf den Gipfeln hier wieder in der Heimat und natürlich den Erfolgen im Fitnessstudio.

Grenzen neu auszuloten oder zu sprengen hilft so sehr Ängste zu bekämpfen und das Selbstbewusstsein aufzubauen, da hat Felix schon so Recht. Langsam wird es auch bei mir Zeit die letzten Ängste aktiv und bewusst zu bekämpfen. Wenn ich mir überlege, was ich alles schon geschafft habe, kann das doch gar nicht so schwer sein.
Denn das wird einen regelrechten Ansturm von Glücksgefühlen auslösen.

Ha, was mich zum letzten Punkt führt –  Glücksgefühle. Neben der Angst vor der OP habe ich nämlich auch echt gute Nachrichten, die echt starke Glücksgefühle in mir ausgelöst haben. Gestern habe ich mal ein bisschen „Büro-Sortiertag“ gemacht, auch wenn ich gar nicht so weit gekommen bin, wie ich wollte, habe ich ein paar wirklich alte Sachen gefunden, darunter die ersten Liebesbriefe von S., die sie mir geschrieben hatte, als ich während der Semesterferien zur Taschengeldaufbesserung vermessen war. Die Briefe haben mich echt berührt, die vielen Gedichte und auch eine Tusche-Zeichnung war dabei. Sofort hatte ich wieder die Schmetterlinge und ein so warmes, wohliges Gefühl im Bauch.  Das hat mich dann den restlichen Tag begleitet und mir eine Ausgeglichenheit gegeben, so dass ich auch Tai Chi wirklich genießen konnte.
Heute war dann noch Auswertung  meiner halbjährlichen Blutzucker-Analyse. Und im Gegensatz zu den anderen Messungen, bei denen mein Langzeitblutzucker, Transfettwerte und ein paar andere Werte stark erhöht, teilweise schon grenzwertig waren, waren heute alle Werte komplett im grünen Bereich.

Haben sich das Abnehmen, Bewegung und Training nun doch endlich bezahlt gemacht. Ich könnte Freudensprünge machen.

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